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8000 neue Chancen für die Bachforelle in der Tauber

Quicklebendig sind die knapp acht Zentimeter messenden Bachforellen, die Züchter Josef Dürr am Freitag aus dem Brutbecken fischt. Nur eine halbe Stunde später schwimmen sie in der Tauber.

Schon seit Jahren ist der Fischereiverein Bad Mergentheim darum bemüht, einen nachhaltigen Fischbestand aufzubauen. Das Bachforellenprojekt endet in diesem Jahr - vorerst, wie Gewässerwart Heiko Dierolf betont. Denn: "Das Projekt ist erfolgreich. Es lohnt sich also, es fortzusetzen." Darüber muss allerdings die Generalversammlung im Januar entscheiden.

Bisher wurden stets 10 000 Stück besetzt, doch heuer "sind wir gut vier Wochen später dran, die Brütlinge sind deutlich größer", sagt der Gewässerwart. "Es werden deshalb weniger, aber da die Fische größer sind, werden auch die Verluste reduziert." 8000 Stück sind es am Ende - "wunderschöne Fischchen", sind sich Dürr und Dierolf einig.

Am Freitagnachmittag werden in Dürrs Bruthaus Fische gezählt - der Preis richtet sich nach Gewicht, und so fischt Dürr mit einem kleinen Kescher vorsichtig die Brütlinge aus dem Becken. Die kommen in einen wassergefüllten Eimer, der auf einer Digitalwaage steht. Wenig später sind 100 Fischchen abgezählt, und dann geht es ganz schnell, nur dass die Fische gleich in einen Bottich umgefüllt werden, den Dierolf und Dürr in den Tank auf dem bereitstehenden Anhänger schütten.

"Die sind im kalkhaltigen Wasser erbrütet und damit optimal vorbereitet für das Leben in der Tauber", meint der Züchter. Genetisch passen die Fische ohnehin - Dürr legt großen Wert darauf, regional passende Fische zu züchten. Die kleinen Bachforellen sehen schon fast aus wie die Großen: Rote Punkte leuchten auf den Flanken, auf denen die sogenannten "Querbinden" zu sehen sind - ein Merkmal junger Forellen. "Wir haben uns für das Bachforellenprojekt entschiede, weil diese Art die heimische Forelle ist", erklärt Dierolf. Zudem erweist sich die Bachforelle als standorttreu. "Die ziehen nicht planlos umher wie Regenbogenforellen, sondern suchen sich ihr Revier, wo sie dann auch bleiben." Die Regenbogenforelle, die eigentlich nicht zu den Forellen, sondern zur Familie der pazifischen Lachse gehört, stammt aus Nordamerika. Als Speisefisch ist sie sehr beliebt, und auch die Angler schätzen sie. "Die Bachforelle ist anspruchsvoller, was den Lebensraum angeht, vor allem aber gehört sie in unsere Bäche und die Tauber. Deshalb wollen wir den Bestand stärken und aufbauen. Das geht am besten mit Naturbrut", erklärt Dierolf. Und für die sollen die jetzt noch kleinen Fischchen eines Tages sorgen. Das Bachforellenprojekt soll die Grundlage schaffen für einen selbsttragenden, nachhaltigen Bestand in der Tauberstrecke des Vereins. "Mit fangfähigen Fischen funktioniert das nicht, deshalb besetzen wir Brütlinge, die in der Tauber heranwachsen. Die Natur macht es mit Masse, wir machen es ihr nach", weiß Dierolf.

Ausgesetzt in die Freiheit werden die jungen Bachforellen in der "Schonstrecke" in Igersheim - hier ist das Fischen fast ganzjährig nur mit der Fliege erlaubt. Das schont die Fische, ein Abhaken ist problemlos möglich, sollte einer der wackeren Kämpfer an den Haken gehen. An drei Stellen hält Dürr an, und zusammen mit Dierolf und dem ebenfalls anwesenden Andreas Schmidt werden die 8000 Brütlinge in ihr neues Biotop ausgesetzt. "Ein Großteil wird zur Beute von anderen Fischen und Vögeln. "Aber alle, die durchkommen, groß werden und sich vermehren, sind Super-Fische, hervorragend angepasst an die Tauber", freut sich Dierolf auf die kommenden Jahre. In Schwärmen schwimmen die Forellchen in der Tauber. Hinter Steinen und Wasserpflanzen stehen sie am Grund, den Kopf gegen die Strömung, instinktiv auf Beute lauernd. Und schon nach kurzer Zeit folgen sie ihrem Drang, kleine Mücken von der Wasseroberfläche zu holen. Immer wieder springt ein Fischchen mit der für seine Art typischen Eleganz aus dem Wasser und landet, eine schwarze Mücke zwischen den kleinen, nadelspitzen Zähnen, zurück im Wasser. Schnell taucht es wieder ab auf den Grund. "Ein, zwei Tage, dann trennen sich ihre Wege", sagt Dierolf.