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Angler leisten Fischen Hilfestellung

An grauen Sanitärrohren sind lange grüne Bürsten befestigt, die wiederum von zwei Edelstahlstangen am Grund gehalten werden. "Das ist ein künstliches Laich-Biotop", erklärt Heiko Dierolf.


Gewässerwart Heiko Dierolf (Zweiter von links) hat zusammen mit Axel Teuber und Sven Plewa (rechts) eine Laichhilfe im Althäuser Bärensee installiert - ideal für Karpfen, Schleien, Rotaugen und andere karpfenartige Krautlaicher. Foto: H-P Kuhnhäuser


Der Gewässerwart des Fischereivereins Bad Mergentheim macht sich schon lange Gedanken, wie der Verein die Natur ein bisschen unterstützen kann. Im Althäuser Bärensee spielt die Naturbrut eine große Rolle, denn hier vermehren sich Schleien, Karpfen sowie weitere im See lebende karpfenartige Fische. Der Bärensee wird regelmäßig abgelassen, die Nachzucht wird dann in andere Gewässer des Vereins umgesetzt.

"Die Laichhilfe ist für alle Krautlaicher gedacht", betont Dierolf. Da aber die von den meisten Fischen benötigten Wasserpflanzen "nicht so sprießen, wie wir uns das wünschen, wollen wir der Natur etwas unter die Arme greifen". Die Laichhilfe ergänzt somit den natürlichen Wasserpflanzen-Bestand im See.

Völlig neu ist die Idee nicht, erklärt Dierolf. Schließlich würden die grünen Bürsten bereits zur Nachzucht genutzt, so etwa von Koi-Züchtern, erklärt der Gewässerwart. Die japanischen Karpfen sind wegen ihrer Färbung bekannt, für besondere Exemplare zahlen Liebhaber hohe Preise. "Was gut für japanische Kois ist, das kann unseren Fischen auch helfen", sagte sich Dierolf. Mit "viel Internet-Recherche und einem intensiven Austausch mit anderen Gewässerwarten" hat er sich schlau gemacht. "Solche Laichhilfen nutzen bereits viele Vereine, also können wir das auch." Der Kauf der benötigten Materialien sowie die Konstruktion - "das ist ein freier Entwurf" - und der Bau des künstlichen Laich-Biotops gingen dann schnell von der Hand. "Das ist ja kein High-Tech, sondern fast Lego. Und die Kosten sind überschaubar", sagt Dierolf.

In kurzer Zeit war das rund zwei Meter lange und etwa 1,5 Meter breite Grundgerüst aus wasserdicht miteinander verbundenen Sanitärrohren fertig; die Bürsten wurden mit Kabelbindern an den Rohren befestigt. "Die Luft in den Rohren sorgt für den Auftrieb, das Gestell kann nicht untergehen", erklärt Dierolf. Zusammen mit Alex Teuber und Sven Plewa brachte Dierolf dann die Laichhilfe an den Bärensee. Dort müssen er und seine Helfer nur noch das "Feintuning" machen. Die Bürsten werden mit einer speziellen Schnur aneinandergebunden, außerdem knoten die Männer zwei Stahlgewichte an. "Die sollen sicherstellen, dass die Bürsten vom Grund nach oben steigen. Sie sehen für die Fische dann wie echte Wasserpflanzen aus", sagt der Gewässerwart. Er und Sven Plewa stecken in Neopren-Wathosen - das Material isoliert und hält dicht. "Hoffentlich", sagt Dierolf. Angesichts der niedrigen Wassertemperatur ist der Gang in den See kein Vergnügen. Der Gedanke an ein Loch in der Wathose ist "echt abschreckend. Löcher sind immer an kritischen Stellen", weiß Plewa. Der erfahrene Fischer kann sich da ein Lachen nicht verkneifen.

Schnell ist der passende Platz ausgemacht - nahe am Ufer treibt Plewa mit dem Vorschlaghammer eine Aluminiumstange in den Seeboden. Sie dient dazu, die Laichhilfe an ihrem Platz zu halten. Dann steigt er aus dem Wasser, um zusammen mit Dierolf das künstliche Laichbiotop in den Bärensee zu tragen. Das ist schnell geschehen. Plewa rammt die zweite Stange mit kräftigen Hammerschlägen in den Boden. Sie erhält eine Verbindung zum Plastikrohrrahmen, der somit fixiert ist. "Ich bin gespannt, wie die Fische reagieren", sagt Dierolf. Die ersten, die er dabei im Auge hat, sind die Rotaugen. "Die laichen schon im April." Im Sommer sorgen dann Karpfen und Schleien für Nachwuchs. Regelmäßig wollen der Gewässerwart und seine Helfer nachschauen, was sich in dem für die Angler gesperrten Bereich tut. "Wenn sich hier Aktivitäten zeigen, wird die Laichhilfe angenommen", betont Dierolf.