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Äschenbestand in der Tauber soll weiter wachsen

Heiko Dierolf (links) und Gewässerwart Josef Dürr vom Fischereiverein Bad Mergentheim entlassen die jungen Äschen in die Freiheit. Foto: HP
Die Tauber zählt nach der Gewässereinstufung im Bereich rund um Bad Mergentheim zur Äschen- und Barbenregion. Lange Zeit aber war von der Äsche nichts zu sehen. Erst in den 1990er Jahren wurde diese Fischart hier heimisch; schnell breitete sie sich in der Tauber und den Bächen aus. Sie ist leicht zu erkennen an der großen Rückenflosse - die Sportfischer sprechen dabei von der "Fahne" -, dem pflaumenförmigen Auge, den großen Rundschuppen und der für Lachsfische typischen Fettflosse. "In unseren Gewässern haben wir noch nie Äschen ausgesetzt. Die Fische sind aus dem angrenzenden bayerischen Raum eingewandert; dort wurden Äschen-Besatzmaßnahmen gefördert", weiß der Gewässerwart des Fischereivereins Bad Mergentheim, Josef Dürr.
Im Laufe der Jahre hat sich ein zwar kleiner, aber selbsttragender Bestand gebildet. Ein Beleg dafür sind die bei den zu Kontrollzwecken erfolgten Elektrofischen immer wieder gezählten Äschen aller Altersklassen. Nun will der Verein dem "Fisch des Jahres" (die TZ berichtete) "einen Schub geben", zumal "die Äsche optimal in unsere Gewässerstruktur passt. Wir wollen den vorhandenen Bestand genetisch auffrischen und auf breitere Schultern stellen", verdeutlichte der Vereinsvorsitzende Ulrich Landwehr. Ziel sei es, einen "artenreichen, vielfältigen Fischbestand zu fördern und zu erhalten" - und die Äsche passe hervorragend in dieses Konzept. "Keine fangfähigen, sondern vorgestreckte Jungfische" sollen deshalb ausgesetzt werden, erklärt Dürr die Strategie. Damit sei gewährleistet, dass sich die Fische "optimal an die Tauber anpassen" können. Angestrebt wird ein nachhaltiger Bestand; die Äschen sollen für Nachwuchs sorgen. "Der noch kleine vorhandene Bestand soll weiter wachsen." Den selben Weg geht der Verein bereits bei der Bachforelle. Diese heimische Forellenart wird seit einigen Jahren durch den Besatz mit Brütlingen gezielt gefördert (die TZ berichtete). "Erste Erfolge können wir da bereits feststellen", sagen Landwehr und Dürr. Am vergangenen Donnerstag trafen sich drei Vereinsmitglieder - Heiko Dierolf, Josef Dürr und Ulrich Landwehr - an der Tauber in Igersheim, um die etwa acht bis zehn Zentimeter großen Jungäschen auszusetzen. Die Fische brachte ein Züchter aus Gräfendorf. "Wichtig war, genetisch zu uns passende Fische zu bekommen, also Äschen aus dem Einzugsbereich von Main und Tauber", erklärte Dürr. Die Elterntiere waren Wildfische; diese wurden schonend gefangen und "abgestreift", um Samen und Eier zu gewinnen, und dann wieder in ihr Gewässer zurückgesetzt, berichtete der Züchter. "Damit haben wir optimale Voraussetzungen für widerstandsfähige und vor allem anpassungsfähige Besatzfische", betonte der Gewässerwart. Ausgesetzt wurden die Jungäschen an mehreren Stellen in der Tauber in Igersheim. "Die Jungfische können sich hier an das Gewässer anpassen und wachsen; verteilen werden sie sich später von allein", verdeutlichte Landwehr. Der Vorsitzende stieg mit Gewässerwart Josef Dürr und Heiko Dierolf ins Wasser, um die kleinen Äschen aus einem Kübel heraus in ihre neue Heimat zu entlassen. Überrascht waren die Vereinsmitglieder dabei vom Aussehen der Jungfische.
"Die Fahne ist noch nicht zu erkennen, die kleinen Äschen sehen auf den ersten Blick fast wie Bachforellen aus", erinnert sich Landwehr. Doch das Jugendkleid werden die Besatzfische bald ablegen; dann wird die Rückenflosse zum unverwechselbaren Erkennungszeichen. Aufmerksame Beobachter können das Treiben der munteren Äschen derweil gut verfolgen, denn das klare Wasser erleichtert den Blick in die Tauber. Die in Gruppen am Grund stehenden Jungfische steigen immer wieder auf, um Insekten von der Wasseroberfläche zu fangen. Häufig springen sie dabei elegant aus dem Wasser.
-HP-